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Tagesberichte Internationale Deutsche Meisterschaft Pirat 2004
30. Juni: Willkommen im SVR!

Der erste Meisterschaftstag verlief für alle Wettfahrer noch recht gemütlich. Da hieß es Zelte aufbauen und Schlafplätze einrichten und natürlich Boot und Mannschaft offiziell zur Wettfahrt anmelden. Damit die Segler aber tatsächlich starten durften, mussten ihre Gefährte genau unter die Lupe genommen werden. Die Kontrollvermesser überprüften, ob nicht der eine oder andere mit zu großem Segel oder zu leichtem Kahn das Rennen für sich entscheiden wollte. Vermessungshelfer Trutz Meinl, im Verein selbst auf dem 420er aktiv, versicherte aber: "Die waren alle clean. Wir haben keinen erwischt, der schummeln wollte."
Gegen 19.30 Uhr eröffnete Wettfahrtleiter Ralf-Dieter Frase die Meisterschaft und begrüßte alle Teilnehmer im Rahnsdorfer Seglerverein. Für die Angereisten gab's wichtige Infos zum Ablauf der Regatta, zum Segelrevier Großer Müggelsee und einige Details zum Kurs für die nächsten Tage. Außer den Formalitäten gab Herr Frase an die Piratensegler noch einen Wunsch für die folgenden Tage weiter: "Ich wünsche mir, dass wir einen sportlichen und fairen Wettkampf auf hohem Niveau durchführen können und hoffe, dass alle Gäste in unserem Verein mit dem gebotenen Rahmenprogramm zufrieden sind."

01. Juli: Wenn Rasmus nicht auf Bestellung kommt

Ein Segelboot braucht Wind im weißen Tuch, damit es vorwärts geht. Das ist keine neue Erkenntnis, schon gar nicht für Segler. Nun heißt das aber nicht, dass der Segler bei mickriger Brise gleich die Pinne verfluchen sollte. Wie stark und vor allem wie beständig muss Rasmus es blasen lassen, damit eine Deutsche Meisterschaft gesegelt werden kann?

Über diese Frage zerbrachen sich nach dem ersten Wettfahrttag fast alle Teilnehmer den Kopf. Das erste Rennen verlief glatt. Über zwei bis vier Beaufort beschwerte sich keiner, Tonnen und Startlinie lagen vorschriftsmäßig. "Im ersten Lauf hatten wir kein Problem. Die Bedingungen waren echt okay", sagte Vorschoterin Jennifer Minner, obwohl sie im Feld von 73 Booten nur auf Platz 66 landete. Richtig knifflig wurde es für Crews und Wettfahrtleitung erst in Runde zwei. Der Wind kam mit etwa zwei Beaufort ursprünglich aus Süd, drehte dann aber in der Pause zwischen den Wettfahrten auf Südwest bis West und frischte mit 3-4 Beaufort auf. Deshalb verlegte die Wettfahrtleitung den Kurs entsprechend den neuen Bedingungen und startete das zweite Rennen. Die erste Kreuz war Angaben des Wettfahrtleiters Ralf Frase ganz ordentlich. An Tonne eins geschah dann das Unvorhersehbare: Der Wind flaute fast bis auf Null ab. "Hier hat uns Rasmus einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Ralf Frase. Jeder versuchte dann auf dem ersten Vorwindschenkel mit dem Lüftchen seinen Kurs zu finden und so zog sich das Feld weit auseinander. Als Rasmus den Windsack wieder öffnete, erlebten die Segler eine Überraschung: Der Wind hatte erneut gedreht und kam nun wieder aus südlicher Richtung. Für manche wurde damit der Vorwindschenkel zum Raumkurs. Da man mit raumem Wind deutlich schneller segelt als mit einer Brise direkt von Achtern, waren einige im Vorteil. "Da hatten manche einfach mehr Glück als andere", resümiert Frase das Geschehen. "Ich habe in diesem Moment darüber nachgedacht, das Rennen abzubrechen und neu zu starten, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil der Wind laut Vorhersage aus West wehen sollte. Ich habe angenommen, dass die Winddrehung auf Südwest nur von kurzer Dauer sein wird. Im Nachhinein hätte anders entschieden. Es waren einfach schwierige Verhältnisse." Die Wettfahrtleitung versuchte die unbeständigen Windbedingungen mit mehrmaliger Tonnenverlegung auszugleichen. Doch einige Segler hielten diese Bemühungen für unzureichend: "Die hätten einfach abschießen sollen und dann nach 'ner halben Stunde noch mal neu starten sollen", sagte Steuermann Gregor Hacke. Auch Lars-Oliver Melzer hätte das Rennen spätestens nach Tonne eins abgebrochen: "Da war nicht nur wenig Wind, sondern gar keiner."

Andere profitierten von der Entscheidung der Wettfahrtleitung: "Für uns war's positiv, dass das Rennen nicht abgebrochen wurde, denn wir haben so 20 Boote eingeholt", freute sich Steuerfrau Birgit Schütze. Ihre Vorschoterin Insa Lorenzen meinte aber: "Es war nur Glück für uns. Eigentlich haben wir die ganze Zeit geflucht, dass sie abbrechen sollen."

Und was sagt Dirk Bogumil dazu, der in der ersten Wettfahrt Platz zwei erreichte und im schwierigen zweiten Rennen Sieger wurde? "Es hätte abgebrochen werden können. Die Bedingungen waren nicht mehr so, dass es ein faires Rennen für eine deutsche Meisterschaft war." Aber er erklärte auch, wie man die Entscheidung der Wettfahrtleitung rechtfertigen könnte: "Wenn man vorne sein will, muss man mit allen Bedingungen zurechtkommen. Unter den ersten zehn gibt es zwar immer wieder Durchmischungen, aber letztendlich sind die Guten immer vorn."

Bei Grillfleisch und Würsten wurde das Für und Wider der zweiten Wettfahrt weiterdiskutiert, allerdings beruhigten sich die Gemüter und die Piratenfreunde gingen dazu über den sonnigen Abend und das Bier zu genießen. Abbruch hin oder her, das Ding war gelaufen und man hoffte auf mehr Glück für den nächsten Tag. Den Verdruss konnte auch die Live-Band "Cellulitas" zerstreuen. Mit rauchigen Stimmen, schrägem Outfit- geringelte Strumpfhosen, Korsagen und grell leuchtendes Haar- und Trompetensolos versorgten sie alt bekannte Lieder mit ordentlichem Drive und die Anwesenden mit Schwung im Tanzbein. Einige zogen diesem Wilden Treiben das gemütliche Beisammensein am Zelt vor, wo gegen den spätabendlichen Hunger die eine oder andere Erbsensuppe auf den Campingkocher musste. Es war nach Mitternacht als noch ein DJ im Bootsschuppen gute Stimmung vor allem unter den jüngeren Piratenseglern verbreitete. Wenn bei Hip-Hop Beats die Hüfte wackelt und alle mitrocken, vergisst auch der Letzte seinen Missmut über eventuelle Fehlentscheidungen.

Maria Lang (ehem. SVR-Mitglied, Journalistikstudentin)

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